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Das behaarte Frauenbein als Beziehungs-Killer?!

Ich stehe morgens gerne früh auf. Um ausgiebig zu frühstücken, um ganz in Ruhe und mit viel zu viel Zeit in den Tag zu starten oder aber um mich später einfach wieder ins Bett zu legen. Morgenstund´ hat – jedenfalls was mich angeht – wirklich jede Menge Gold im Mund. Nicht selten genehmige ich mir auch ein Frühstück mit Kaffee und Müsli auf dem Sofa und gebe mich eine halbe Stunde seichter Fernsehunterhaltung hin. Hochgradig seicht geht´s am Morgen auf deutschen Fernsehsendern tatsächlich zu und dagegen habe ich rein gar nichts einzuwenden. In der Regel bleibe ich bei einer der zahlreichen Morning-Shows hängen. Smarte, gut aussehende Moderatoren-Teams, die mich noch bevor der Tag richtig begonnen hat über brisante Nichtigkeiten aufklären. Ja, das will ich. Meistens auf jeden Fall. Vergangene Woche sorgte das SAT.1 Frühstücksfernsehen allerdings schon um 7.00 Uhr in der Früh für Bluthochdruck, was äußerst unüblich ist.

Selbst schuld, wer quasi mitten in der Nacht nichts besseres mit sich anzufangen weiß, schlafen oder Zeitung lesen wäre der eindeutig sinnvollere Zeitvertreib, könnte man jetzt sagen und hätte sicherlich recht. Passiert ist es trotzdem und ich bin um eine Erfahrung reicher. An besagtem Morgen klärte man auf SAT.1 gemeinsam mit einem Partnerschafts-Experten darüber auf, welche Vergehen eine romantische Beziehung in ihren Grundfesten erschüttern können. Mangelnde Körperhygiene und übermäßiger Gebrauch von Jogginghosen sind hier Probleme von besonderer Tragweite, schließlich muss man auch nach langjähriger Partnerschaft darauf achten, für den Partner attraktiv zu bleiben. Soweit so gut, mit Einschränkungen kann hier vielleicht noch zugestimmt werden.

Außerdem lehrte man mich aber, dass spätestens der Zeitpunkt, wenn eine Frau sich gegen Brazilian Waxing und für Stoppeln an den Beinen entscheidet, in etwa der vollkommenen Selbstaufgabe gleichkommt. Die Rede war hier von „sich gehen lassen“. Aha. Dass man sich nicht mehr um den Partner bemüht, bedeutet der Verzicht auf eine angemessene Frisur an entscheidenden Körperstellen außerdem. Achso. Das Beziehungs-Aus ist – wenn überhaupt – nur schwer abzuwenden, wenn die Damen der Welt erst einmal den täglichen Griff zu Enthaarungsprodukten und den regelmäßigen Termin im Waxing-Studio verweigern. Gut zu wissen, danke schön.

Bislang habe ich ebendas als durchweg positiv gesehen. Dass es nämlich gerade nicht mehr von Nöten ist, seinem Partner den Eindruck vermitteln zu wollen oder zu müssen oder was auch immer, man sei die weiterentwickelte Form des herkömmlichen Menschen, deren Haarlosigkeit evolutionär bedingt ist oder eben einfach präpubertär. Offenbar ein Irrtum. Meint jedenfalls das SAT.1 Frühstücksfernsehen. Ich danke für die Richtigstellung.

Spaß beiseite, es war ein Trauerspiel, das an jenem Morgen stattfand. Zwar wurde haarigen Frauenbeinen zugegebener Maßen nicht mehr Bedeutung beigemessen, als anderen Fehltritten, trotzdem: den weiblichen Behaarungsstatus als ausschlaggebend für das Funktionieren einer Beziehung zu machen, über solche Mätzchen sollten wir 2016 doch wirklich hinaus sein. Liebe Leute, wenn nicht vorhandene Körperbehaarung das Fundament eurer Partnerschaft ist, dann ist wirklich Feierabend.

Im Anschluss an diese Perle der TV-Unterhaltung habe ich jedenfalls den Rasierer in meiner Dusche keines Blickes gewürdigt. Mal sehen, wie lange mein Freund damit zurechtkommt, dass ich mich gehen lasse.

 

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