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lookyloostalk // Der Bachelor 2016: Ein fleischgewordener Frauentraum

Seitdem RTLs diesjähriger Bachelor Leonard sich Anfang Februar auf die lange und beschwerliche Mission begab, unter 20 jungen, schönen „Ladies“ die Eine, die Traumfrau, die große Liebe zu finden, bin ich – wie ehrlich gesagt jedes Jahr auf´s Neue – Feuer und Flamme für das vermutlich niederträchtigste Format im deutschen Fernsehen seit „Mitten im Leben“. Zweifelsohne ist jedwede an der öffentlichen Brautschau geäußerte Kritik berechtigt und ganz sicher ist es mehr als traurig, wie sowohl Bachelor als auch „Ladies“ ihre hoffentlich irgendwann einmal dagewesene Selbstachtung an RTL verkaufen. Und das im Namen der Liebe, na klar. Leider wird das Ganze dadurch – zumindest für mich – nicht minder unterhaltsam. Also standen die vergangenen Mittwochabende ganz im Zeichen großer Gefühle, großer Gesten, großer Augenblicke, im Zeichen der ganz ganz großen Liebe.

Und die große Liebe, die hat der 31-jährige Leonard, der jetzt schon seit mindestens 8 Monaten Single ist, so langsam wirklich mal verdient. Die auserkorenen Damen, im Durchschnitt Anfang 20 und hübsch im Bikini anzuschauen, sind ja sowieso dringendst auf der Suche nach einer starken Schulter zum Anlehnen, nach dem Mann für´s Leben, kurzum, auf der Suche nach Leonard. Wie schon seine Vorgänger ist natürlich auch der diesjährige Bachelor mit allem ausgerüstet, wonach das Frauenherz giert. Erfolgreich ist er. Gut aussehend sowieso und mit ein bisschen Sport und einem wohl unbändigen Eiweiß-Shake-Durst hat er sich vor Drehbeginn auch körperlich in die Form seines Lebens gebracht, so ein Dating-Marathon ist schließlich kein Spaziergang. Dass er wie Paul, Christian oder Oliver ebenfalls einen Hang zum Oberkörper-Exhibitionismus hat, verzeiht man ihm da doch liebend gerne. Nur selten bietet sich schließlich die Gelegenheit, einen derart unnatürlich anmutenden Männerkörper schamlos zu betrachten. On top brachte Leonard dieses Jahr außerdem auch noch den unerträglichsten Dackelblick seit Hugh Grant und das zwanghafte Bedürfnis, permanent und garniert mit einer gehörigen Portion Schmalz über seine Empfindungen zu sprechen, mit. Danke RTL für dieses Geschenk an die Frauen dieser Welt! Ein Prachtkerl! Juchei!

Nein, Scherz, nicht wirklich. Während man hier offenbar meinte, den Inbegriff des Traummannes als Bachelor 2016 rekrutiert zu haben, gefühlsbetonter Familienmensch mit Hirn und reichlich Muskelmasse, war der Adonis in Wirklichkeit nur schwer zu ertragen, wenn er erstmal den Mund aufmachte. Und das lag keineswegs an seinem charmanten Sprachfehler, sondern vielmehr an dem, was der vermeintliche Traummann da so alles von sich gab. Denn in welch schillernden Farben Leonard sein offenbar allzu reges Gefühlsleben beschreiben konnte, war, nun ja, sagen wir mal überraschend. Da wo „Ich möchte sie schmecken“, „Es fühlt sich so richtig an“ und „Ich schaute ihr ganz tief in die Augen“ zum Standardrepertoire gehören, liegt die Vermutung nahe, dass RTL in diesem Jahr weder Kosten noch Mühen scheute, um Rosamunde Pilcher und Nicholas Sparks als Schreiberlinge zu engagieren, anders lässt sich dieses Schauspiel kaum erklären. Dass irgendwem außer den beiden Romantik-Ikonen ein entsprechender Wortschatz für diesen Schmalz-Overload zur Verfügung steht, muss bezweifelt werden.

Ebenso verquer wie das Frauenbild, das uns RTL Jahr um Jahr mit der Auswahl der „Ladies“, die die einmalige Chance haben, um den begehrten Jungesellen zu werben, auf´s Neue präsentiert, ist auch die Darstellung des Bachelors selbst, der – so scheint es – in diesem Jahr mehr Klischees bediente denn je. Nein RTL, Frauen werden nicht per se schwach, wenn das männliche Gegenüber, ausgestattet mit einem Jahrhundert-Bizeps, ihnen drei Kilo Honig ums Maul schmiert und verträumt lächelnd von der gemeinsamen Zukunft spricht. Echt nicht.

Während die Kandidatinnen Leonards Gefühlsduselei entweder besonders anziehend fanden oder aber dank literweise Schampus und Amarula irgendwie wegsteckten, war das für den Zuschauer schon schwieriger. Auch Hochprozentiges konnte nur schwer Abhilfe schaffen. Trotz nahezu unerträglich schmierig-romantischem Schwadronieren oder gerade deswegen, wer weiß das schon, hat Leonard sie gefunden, die Eine, die Richtige, die große Liebe und kürte die überglückliche Siegerin Leonie gestern im großen, natürlich höchst emotionalen Finale. Gott sei Dank.

 

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2 Kommentare

  • Antwort
    Vanessa
    7. April 2016 at 20:27

    Habe deine Bachelor-Obsession ganz vergessen und war entzückt, als ich eben diesen Artikel entdeckt habe. Hat mich sehr gut unterhalten, jetzt finde ich es fast schade, dass ich keine einzige Minute von Leonards Ergüssen vor dem Fernseher miterlebt habe 😉

    • Antwort
      Lena
      8. April 2016 at 20:42

      Na dann weißt du ja, was du nächstes Jahr zu tun hast, Vanessa!

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