Gesellschaft Leben lookyloostalk

lookyloostalk // Ferien im Nimmerland. Über die Sache mit dem Erwachsenwerden

Schon immer fand ich den Lebensentwurf von Peter Pan, dem Jungen, der nie erwachsen werden wollte, ansprechend. Mit dem Erwachsenwerden konnte ich mich nämlich auch noch nie so richtig anfreunden. Vor zehn Jahren, als die Sache offenbar kurz bevor stand, wollte ich mir auf keinen Fall vorstellen, dass das Leben irgendwann noch mit etwas anderem aufwarten könnte als mit Spaß und Albernheiten en masse und dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Zeit kommen würde, in der hoffnungslose Schwärmereien und ein überstrapaziertes Fehlstunden-Konto in der Schule nicht die größten Sorgen sein werden. Seitdem warte ich also manchmal ungeduldig, manchmal ängstlich darauf, dass mein erwachsenes Ich in Erscheinung tritt, vernünftig und reif, verantwortungsbewusst und unabhängig. Bis jetzt Fehlanzeige und eigentlich sollte mir das ja nur recht sein. Trotzdem fragte ich mich anlässlich meines 26. Geburtstages mal wieder, ob das denn überhaupt noch im Rahmen ist.

Wenn sich die Falten auf der Stirn partout nicht mehr leugnen lassen, dann wird die Sache so langsam aber sicher akut und so oder so sollte sich mit 26 in puncto Erwachsenwerden doch irgendwann mal was tun. Oder etwa nicht? Mama und Oma hatten mit 26 ja schließlich schon ein, zwei, drei Kinder. Und während ehemalige Schulfreunde schon längst Nachwuchs haben und das Eigenheim beziehen, sichere ich meine Existenz mit schlecht bezahlten Nebenjobs und bin grundsätzlich knapp bei Kasse. Meine Tage verbringe ich je nach Laune an der Uni oder auf dem Sofa und an den Wochenenden geben sich Trunkenheit und Katerstimmung die Hand. Ich bin oft albern und mache hin und wieder Telefonstreiche. Irgendwie also alles wie vor zehn Jahren, nur die Ausgaben sind mit dem Umzug in die eigenen vier Wände gestiegen, aus Schule wurde Uni und einen feucht fröhlichen Abend steckt ein um zehn Jahre gealterter Körper dann doch nicht mehr ganz so gut weg.

Natürlich hat sich dann doch noch einiges mehr getan, dass ich mir dadurch das Label „erwachsen“ verdient habe, bleibt zu bezweifeln. Halbwegs erwachsen fühle ich mich schließlich maximal, wenn ich Arzttermine vereinbare oder mein Klo putze und wenn es nach mir ginge, dann könnte die lange Liste der Pflichten da auch schon wieder enden. Verantwortung übernehmen. Selbstständig sein. Und vernünftig sowieso. Ist das Erwachsensein? Oder eine Zahl, ein Gefühl? Oder ist das alles vielleicht doch nur ein Mythos, dem diverse Erwartungen anderer und vor allem auch eigene Vorstellungen zugrunde liegen? Fragen über Fragen, Antworten sind nicht in Sicht und Peter Pan wird wohl auch erstmal nicht mit einem One-Way-Ticket ins Nimmerland um die Ecke kommen.

Vielleicht werde ich also morgen erwachsen oder nächstes Jahr, vielleicht aber auch gar nicht. Oder ich bin es längst und die Sache mit dem Erwachsensein ist doch gar nicht schlimm. Und auch nichts, wovor man sich insgeheim fürchten muss, weil nämlich auch Erwachsene albern sein dürfen, hin und wieder ein gesundes Maß an Unvernunft völlig akzeptabel ist und erwachsen sein eben nicht bedeutet, das zu sein, was irgendwer von uns erwartet.

Das könnte Dich auch interessieren

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Nachricht